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Adelsnation sg., Substantiv, Femininum, Zeit des Absolutismus. Monarchistisches Gesellschaftskonzept und Regierungskonstrukt, das darauf fußte, dass in einem Land (im Sinne von Staat) der Monarch (Herr, Edler, Baron, Fürst, Herzog, König, Kaiser) und nicht das Volk den Souverän stellt. Eine Auffassung, die sich 1300–1500 herausgebildet hat. Sie stellt das Gegenstück (Pendant) zur Volksnation dar.

Etymologie

Der Begriff naród szlachecki „ritterliche Nation; edle Nation“ kam 1648–1668 im damaligen Polen-Litauen auf, als der Adel nach dem 30-jährigen Krieg (1618–1648) seine Rolle im Doppelstaat suchte.

Chronik

Die Ursprungsidee lag in Frankreich, dessen Lebensart weit in andere Länder ausstrahlte.

Auch im damaligen Deutschland ging der Adel von dem ursprünglich in Frankenreich entwickelten Prinzip aus, dass der Herrscher der Souverän sei. Besaß dort Französisch bei Hofe schon vor dem großen Krieg die Funktion einer Standessprache, kopierten die deutschen Adligen nach 1648 das französische Gesellschaftssystem komplett und Verwaltungs- und Hofsprache wurde Französisch. Das Deutsche wurde am Hofe nur noch für „Pferde, Hunde und Pöbel“ verwendet.

Adelsnation als politischer Begriff spiegelte in Ostmitteleuropa und anderswo den ungewöhnlich hohen politischen Einfuß wieder, den die Stände, insbesondere der Adel, im Staat spielten. Bis zum Ausbruch des 30-jährigen Krieges war es diesem gelungen, nicht nur in Polen-Litauen, sondern auch in Böhmen-Mähren sowie in Ungarn seine Machtstrukturen in seinen jeweiligen Regionen dauerhaft und fest zu etablieren.

Das Konzept der Adelsnation gilt staatsrechtlich als vorrevolutionär und wurde in Frankreich bis zur Französischen Revolution von 1789 vertreten. Die skandinavischen Staaten übernahmen es um Laufe des 18. Jahrhundert, wobei sie sich stark an die deutschen Fürstenhauser orientierten, kamen ihre Herrscher inzwischen dem deutschen Haus Oldenburg.

So befahl am 7. April 1768 Gustav III. von Schweden (1746–1792; reg. 1771–1792), nachdem dieser ein Jahr zuvor die Universität Uppsala besucht hatte, an allen landeseigenen Hochschulen die Bildung von sogenannten natio nobilum „Gruppe der Hoffnungsvollen“, eine Art studentische Adelsnation, einzurichten. Diese sollte jeweils von einem adligen Professor geführt werden, der den Titel Inspektor tragen sollte. Die Bildung dieser studentischen Adelsnation sollte die elitäre Rolle des schwedischen Adels Rechnung tragen. Doch nicht alle adligen Studenten wollten dieser Adelsnation nicht angehören, weil sie nicht gottgegeben, sondern behördlich angeordnet war: Sie verweigerten ihren Listeneintrag, sodass bereits 1780 die Idee als gescheitert aufgegeben wurde. Eine kurzfristig 1786 anbefohlene Neubelebung scheiterte ebenfalls.

Die Französische Revolution beseitigte in Frankreich das bisherige Gesellschaftskonzept der Adelsnation zugunsten einer republikanischen Staatsnation, die die Herrschaft des Volkes darstellte und dem Konzept der Volksnation entsprach.

Das Römisch-Deutsche Reich, insbesondere das formaljuristisch noch bestehende deutsche Königreich, vertrat dieses Konzept bis zur Auflösung des Reiches (1806).

1815–1866 führte staatenbündische Deutschland dieses Prinzip, entgegen dem Willen der Bevölkerung, weiter und selbst der 1871 gegründete Nationalstaat stellte bis zum Ende der Monarchie (1918) abgewandelt fort: Jeder Bundesfürst stellte den Souverän seines Landes dar, der sich zuweilen den Landständen oder den eingerichteten Parlamenten der Länder zu verantworten hatte. Jeder deutsche Bundesstaat besaß ein eigenes Territorium und ein eigenes Staatsvolk mit entsprechender Staatsangehörigkeit, das nach außen durch den Monarchen vertreten wurde. Die deutschen Armeen zogen 1914–1918 für Gott – König – Vaterland! in den I. Weltkrieg. Das Reichsvolk der Deutschen, das heißt, die Bewohner der deutschen Einzelstaaten, leisten ihren Treueeid zum „deutschen Vaterland“, also zu Deutschland, und dessen Kaiser mit den Worten für Gott – Kaiser – Vaterland!.

Siehe auch

  • Nation
  • Kulturnation
  • Sprachnation
  • Titularnation
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