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Ariernachweis, Abstammungsnachweis, Substantiv, Maskulinum, Zeit des Nationalsozialismus. Nach dem 15. September 1935, mit Verkündung der Nürnberger Rassengesetze, verbindlich eingeführte Abstammungsurkunde, der in der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (1933–1945) nachgewiesen werden musste, ob der Inhaber deutschblütig („arischer Abstammung“) oder artverwandten Blutes war, damit diesem der RechtsstatusDeutscher Reichsbürger“ verliehen wurde.

Dieser nationalsozialistische Nachweis musste durch den Antragssteller mittels offizieller Dokumente wie Geburts- und Taufscheine oder alternativ durch Geburts und Heiratsurkunden belegt werden.

Etymologie

Ein Nachweis, ob ethnische Deutsche deutschblütig (und damit arisch) waren, war schon eine frühe Forderung völkischer, insbesondere alldeutscher Vereine. In Österreich agierte seit 1891 aggressiv die Alldeutsche Bewegung, die alle Juden aus Wirtschaft, Kunst und Politik entfernt sehen wollte. Damit sich kein Angehöriger der „jüdischen Rasse“ in deutschnationale Vereine einschleichen könne, sollten diese darauf bestehen, dass der Bewerber seine Abstammung von Deutschen über mindestens drei Generationen nachweise. Auch bestehende Mitgliedschaften müssten, so die Alldeutschen weiter, mittels Abstammungsnachweis überprüft werden, damit jüdische Mitglieder ausgeschlossen werden könnten.

In Deutschland argumentierten die Deutschvölkischen ähnlich wie die Alldeutschen in Österreich. „Ariernachweis“ wurde zu einem völkischen Schlagwort und Kampfbegriff; diese Forderung war ein Inbegriff des politischen Rasseantisemitismus. Vor allem Anhänger der Nordischen Bewegung, die aus dem Zusammenschluss diverser Antisemiten entstand, propagierten eine „deutsche Rasse“, deren Gegenpart die jüdische darstellte.

Grundsätzliches

Im Staate Hitlers (1889–1945) wurde der Ariernachweis insbesondere benötigt, wenn Reichsdeutsche Beamte und/oder öffentlich Bedienstete werden wollte.

Auch wurde der Nachweis erforderlich, wenn Volksgenossen in die Partei und/oder in eine ihrer Gliederungen bzw. in eine der Partei angeschlossenen Organisationen beitreten wollten. Vor allem die SS legte einen besonders großen Wert darauf, dass keine Deutschen mit jüdischen oder fremdvölkischen Vorfahren in die SS eintraten. Deren Reichsführer legte eigens die Rahmenbedingungen extrem eng aus.

Arten

Man unterschied innerhalb des Ariernachweises zwischen a.) dem kleinen und b.) dem großen Ariernachweis. Ersterer wurde benötigt, wenn drei Generationen (Eltern, Großeltern, Urgroßeltern) belegt werden mussten. Später wurde dieser Nachweis bis auf das Jahr 1800 erweitert.[1]

Zweiterer wurde benötigt, wenn die Abstammung bis 1800 nachgewiesen werden musste, da man sich um Aufnahme in die Staatspartei NSDAP oder in einer ihrer Gliederungen der NSDAP|Gliederungen beworben hatte. Dieser wurde in der Folgezeit bis zum Jahr 1750 ausgeweitet.[1]

Daher mussten SS-Bewerber und SS-Männer sowie die Parteikandidaten bis zum Führerkorps ihre arische Abstammung mit dem kleinen Ariernachweis belegen, das SS-Führerkorps (und das NSDAP-Führerkorps usw.) hingegen mit dem großen.

Siehe auch

  • Arierparagraf

Literatur

  • Kammer, Hilde – Bartsch, Elisabeth: Jugendlexikon Nationalsozialismus. Begriffe aus der Zeit der Gewaltherrschaft 1933–1945, Rowohlt Taschenbuch Verlag Reinbek 1982, ISBN 3-499-16288-1.
  • Zentner, Christian – Bedürftig, Friedemann (Hrsg.): Das große Lexikon des Dritten Reiches, Südwest Verlag 1985, ISBN 3-517-00834-6.

Fußnote

  1. 1,0 1,1 Mentwitz, Gustav Adolf von: Hundert Millionen Deutsche schaffen Raum, NS-Gauverlag Steiermark 1941, S. 76, Googlebooks, abgerufen am 23. April 2018.
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