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Velberdersch „Velberterisch“, Substantiv, Neutrum, Glottonym. Eigenname und Sammelbezeichnung aller niederbergischen Dialekte, die in und um Velbert gesprochen werden. Eng verwandt mit diesem Dialekt sind Heljenser Platt „Heiligenhauser Platt“ und die Dialekte in und um Wülfrath.

velberdersch, Adjektiv, Attribut, auf Velbert, dessen Wohnbevölkerung oder auf den Ortsdialekt bezogen.

Velberdersch gehört zur südlichen Gruppe des Niederfränkischen (Südniederfränkisch) und wird seit 1992 überwiegend dem Rheinmaasländischen zugerechnet. Der autochthone Dialekt des zur Stadt Velbert gehörenden Stadtteils Langenberg gehört abweichend von den übrigen Stadtdialekten bereits zum Ostbergischen und stellt eine Interferenzzone zum benachbarten Kleverländischen und zum Westfälischen dar.

Seiner Pflege und seinem Erhalt hat sich der Sprachverein Offers-Kompeneï Velbert zur Aufgabe gemacht.

Synonyme und Nebenformen

Velberdsch wird auch wie folgt bezeichnet:

  • Velberter Dialekt
  • (Ost-)Limburgisch
  • (West-)Bergisch
  • Niederbergisch
  • Rheinisch
  • Niederrheinisch

Sprecherzahlen und Verhältnis zu sprachverwandten Sprachen

Sprecherzahlen

Bis nach dem II. Weltkrieg (1939–1945) war Velberdersch Hauptumgangssprache der Stadt. Nach 1945 setzte der dialektale Niedergang der Ortssprache ein, die auch in Tönisheide bei Neviges, Neviges und im benachbarten Langenberg zu beobachten waren. Seit 1970 an wich der Dialekt einem Regiolekt, der eine niederdeutsch beeinflusste Spielart des Standarddeutschen darstellt und als Niederrheinisch bezeichnet wird. Heute wird der Dialekt nur noch von wenigen Hundert, zumeist älteren Menschen gesprochen.

Verhältnis zu sprachverwandten Sprachen

Der Germanist Frings (1886–1968) teilte Velberdersch den Niederfränkisch-ribuarischen Übergangsdialekten zu.

Der erste Versuch, Velberdersch ausführlich zu beschreiben, ist eng mit dem Namen Dr. Bredtmann (1864–1955) verbunden. Bredtmann, aus der Nähe Velberts stammend,[1] unternahm 1938 den Versuch, in seinem Buch Die Velberter Mundart ausführlich zu beschreiben.

Wie bereits eingangs erwähnt, sind diesem Dialekt das Nevigeser und das Heiligenhauser Platt, aber auch das Wülfrather und Langenberger Platt eng verwandt, obgleich Letzteres schon starke Bezüge zum Niedersächsisch-Westfälischen hat.

Sprachgebiete und Fläche

Der Dialekt wird heute nur noch in Resten im Kreis Mettmann gesprochen sowie geschrieben und es steht dort in einem engen Dialektkontinuum mit den dort gesprochenen Ortsmundarten.

Vor allem besteht, wie bereits in der Einleitung erwähnt, eine enge Dialektverwandtschaft zwischen den Orten Heiligenhaus, Kettwig vor der Brücke, Mettmann und Wülfrath, die zusammen mit Velbert das sogenannte Hongt-Gebiet bilden, benannt nach der Aussprache des Wortes Hund[2].

Velberdersch wird in all seinen Spielarten heute im Großraum Velbert gesprochen und weist eine theoretische Flächenausdehnung von knapp 75 km² auf.

Fremdsprachige Einflüsse

Im Mittelalter gehörte Velberdesch zum mittelniederländischen Sprachraum und wies aufgrund seiner Mittellage zwischen Ripuarisch, Westfälisch und Kleverländisch an seinen Grenzen zahlreiche Übergangscharaktere auf. Überwiegend war es jedoch als Niederbergisch zu klassifizieren, gehörte es zum nördlichen Teil („Niederberg“) des Bergischen Landes.

Im 16. Jahrhundert wurde es den Handelsrouten des Erzbistums Kölns angebunden und die Velberter Stadtschreiber begannen, die Kölnische Kanzleisprache einzuführen, die dem kaiserlichen Reichsdeutsch folgte. Dadurch gelangten mittelfränkisch-ripuarische als auch hochdeutsche Spracheinflüsse ins Velberdsche. Zum anderen gelangten auch niederländische und westfälische Spracheinflüsse in die Ortssprache, da bis ins ausgehende 19. Jahrhundert niederländische und westfälische Händler in Velbert regelmäßig Station machten.

Als im frühen 19. Jahrhundert die gesamte Niederrheinregion an das napoleonische Frankreich fiel, führte das einheimische Bürgertum Französisch als Standessprache ein. Auch die Velberter Stadtverwaltung war gezwungen, ihre Erlasse nun mehr in diesen beiden Sprachen zu veröffentlichen. Nach und nach drangen so französische und hochdeutsche Lehnwörter ins Velberdsche ein.

Einfluss auf umliegende Dialekte

Aufgrund ihrer geografischen Lage bedingt standen vor allem das Nevigeser, Tönisheider und Heiligenhauser Platt unter großem Einfluss der Velberter Stadtmundart, zumal diese zur damaligen Bürgermeisterei Velbert gehörten.

Alphabet, Aussprache, Grammatik und Orthografie

[…] Jeden Donnerschdag wor an usem Hus Kalwermatt, wo ech fotthen noch drop terök kuem. Wann nu ouch usen öllsten Bruder Welhelm ald twentig Johr ault wor, on van morgens bis owens flietig un üewerall tätig wor, so wor der Arbet doch so völl, dat sech öm us kleïn Kenger wenig bekömmert wähden koun. […] Ut den fröisten Kengerjohren weït ech mech te erennern, dat us Hus van morgens bis owens arig belevd wor. […]

[…] Jeden Donnerstag war an unserem Haus Kälbermarkt, wo ich später noch drauf zurückkomme. Wann nun auch unser ältester Bruder Wilhelm schon fast zwanzig Jahre alt war, und von morgens bis abends überall fleißig tätig war, so war der Arbeit doch so viel, dass sich um uns kleinen Kindern wenig gekümmert werden konnte. […] Aus den frühsten Kinderjahren weiß ich mich zu erinnern, das unser Haus von Morgens bis Abends sehr belebt war. […]
—   Schulte, Eduard: Files on Hamerschlag – Alt-Velberter Geschichten, S. 10 und 11.

Alphabet

Velberdersch verwendet seit je her das lateinische Alphabet. Zur Bezeichnung des Lautes [ɛɪ] greifen die Autoren verschiedener Mundartwerke zur Buchstabenkombination <e-i> und <ï>. Die Verwendung des Sonderzeichens <ë> folgt niederländisch-flämischen Traditionen; doch zumeist wird der Laut schlicht mit <e> wiedergegeben.

Aussprache

Der Dialekt zeichnet sich durch eine harte Aussprache aus, die darin begründet sein dürfte, dass es ein Grenz- und Interferenzgebiet zum westfälischen Raum darstellte. So fehlt im Velberdschen der dem Rheinischen so typische „Singsang“, den die Germanistik rheinische Schärfung nennt. Alles in allem jedoch stimmt Velberdsch mit dem Ostniederfränkischen und dessen Sprachcharakter überein, der seine Basis darstellt.

Grammatik

Bis ins 16. Jahrhundert folgte die Grammatik des Velberter Dialektes autochthonen Traditionen, die sich auch im Mittelniederländischen feststellen ließen. Mit der offiziellen Übernahme der Kölnischen Kanzleisprache, die eine regionale Form des Gemeinen Deutsch darstellte, richtete sich in den nächsten drei Jahrhunderten die Grammatik des Dialektes nach der hochdeutschen Schreibsprache aus.

Ab 1900 stimmte sie bis auf wenige Ausnahmen abgesehen mit dem Hochdeutschen der Verwaltungssprache überein, sodass Velberdsch eindeutig als deutscher und nicht mehr als niederländischer Dialekt galt. Ab den 1960er-Jahren trat langsam in Velbert das Dialektsterben ein.

Orthografie

Die Orthografie des Velberdschen folgt der Lautsprache. Das heißt, dass keine streng reglementierte Form einer Dialektschreibung besteht, sondern das die Orthografie dem Sprachbewusstsein des Schreibers folgt.

Sprachgeschichte

9.–16. Jahrhundert

Ursprünglich gehörte das Gebiet der späteren Stadt Velbert zum sächsischen Siedlungsgebiet und gehörte zum westfälisch-salfränkischen Grenzgebiet.

Ab dem 9. Jahrhundert an drangen unter Karl dem Großen (geb. 747/48; gest. 814) die ersten Franken aus dem Maas-Schelde-Gebiet bis auf Höhe der Ruhr vor, wo sie als Wehrbauern angesiedelt wurden. Das hatte zur Folge, das Kettwig vor der Brücke und Werden (heute Stadt Essen) dialektal zum Ostbergischen gehören, einem Übergangsdialekt zum Westfälischen. So bildet denn auch die Westfälische oder -en/-et-Linie die Ostgrenze des Velberdersch.

Im hohen Mittelalter gehörte die Region des Niederrheins zum Geltungsbereich des Mittelniederländischen, das in den Grenzregionen allerdings in einem Schreibsprachenkontinuum mit dem benachbarten Mittelniederdeutschen stand.

So wiesen die Urkundensprachen Velberts durchweg niederländische Züge auf, was Orthografie und Grammatik betraf. Auch mit der Einführung der Kölner Kanzleisprache, die zwar sprachlich gesehen westmitteldeutsch, orthografisch aber eher einem niederländischen Duktus folgte, hatte anfänglich keine großen Folgen auf die gesprochene Volkssprache. Vielmehr wurde so verfahren, dass Urteile des Landesgerichtes in der Kölner Kanzleisprache, Urteile der, dem Landesgericht untergeordneten, Regionalgerichten in der traditionellen Schreibsprache abgefasst waren.

16.–19. Jahrhundert

Aufgrund seiner isolierten Lage hat sich im Velberdersch vieles bewahrt, was in den angrenzenden Dialekten verschwunden ist.

Dieses änderte sich jedoch zur Zeit der Kölner Expansion, als das Fürstbistum Köln begann, Velbert in seine Handelsroute nach Westfalen einzubinden.

Durch die Einführung der neuhochdeutschen Kölnischen Kanzleisprache (ab 1455) veränderte sich Velberdesch allmählich, als es im Zuge der Verkehrsgemeinschaft mit dem oberbergischen Raum, in dem westmitteldeutsches Ripuarisch gesprochen wurde, viele Spracheigenschaften des Oberbergischen übernahm. Dieses betraf vor allem das Personalpronomen ich und die Reflexivpronomina mich, dich und sich, aber auch das Partikel auch, die anstelle der niederdeutschen Formen traten.

So verwenden Velbert und die angrenzenden Stadtteile Tönisheide und Neviges die Formen ech, mech, dech, sech und ouch, indes das seit dem 16. Jahrhundert durch die Uerdinger Linie vom übrigen Dialektgebiet abgetrennte Langenberg (einschließlich Oberbonsfeld) die durch Märkische Platt beeinflussten Formen eck, meck, deck, seck und ook bzw. ouk (aus westf. auk) verwenden.

1804 fiel der gesamte Niederrhein, und damit auch Velbert, unter die Franzosenherrschaft. Die französische Besatzungsmacht begann, neben Französisch, das Neuhochdeutsche als alleinige Amtssprache durchzusetzen, was mit der Abschaffung der Kölner Kanzleisprache einherging.

Die französische Besetzung brachte es mit sich, dass nun einige Wörter und Redewendungen aus dem Französischen in den Dialekt übernommen wurden. So wurden auch die Begriffe Afkaat (Advokat), akediren (akkordieren, verhandeln) oder akraat (akkurat, ordnungsliebend) Bestandteil des Velberter Platts.

1815 fiel der Niederrhein an Preußen, dass aus 1822 aus den rheinischen Provinzen Niederrhein und Jülich-Kleve-Berg zur Rheinprovinz zusammen.

War Preußen bis dahin am Niederrhein äußerst sprachtolerant gewesen, änderte sich dieses nun: Bereits 1827 wurde im damaligen Regierungsbezirk Münster der Gebrauch des Niederländischen verboten und nach und nach auch auf den linken Niederrhein ausgedehnt, wo es Mehrheitssprache war. Bis 1860 hatte sich im Rheinland so weit das Deutschw ausgebreitet, dass es dort inzwischen als Mehrheitssprache galt.

19. Jahrhundert–heute

Für Velbert änderte sich so weit schriftsprachlich nichts, da es schon lange eine Variante der Hardenberger Kanzleisprache verwendete, die als hochdeutsche Sprachform galt. Allerdings galt der Dialekt als solcher nun allgemein als „schlechtes Deutsch“ und die Kinder wurden mit Einführung der Schulpflicht gezwungen, die hochdeutsche Schriftsprache auch im Alltag zu gebrauchen. Das hatte ab 1880 zur Folge, dass Velberdersch, bis dahin grammatikalisch den niederfränkischen Sprachgewohnheiten folgend, sich nun immer mehr an der offiziellen Dachsprache orientierte und vom Volldialekt zur Halbmundart geriet.

Bereits um 1900 folgte Velberdersch grammatikalisch gänzlich dem Standarddeutschen und wich somit vom übrigen niederländisch/niederfränkischen Sprachgebiet ab.

Bereits um die Jahrhundertwende wurde es noch von wenigen Tausend Menschen weitgehend verstanden, wobei die aktiven Muttersprachler bereits in der Minderheit waren. Seit den 1970er-Jahren gilt es als fast ausgestorben, da es immer mehr vom aufkommenden Regiolekt Niederrheinisch verdrängt wurde.

Sprachcharakter

Die Vokale, die kurzen wie die langen, werden mit energischer, eingipfliger Betonung ausgesprochen. Der stark singende Charakter mancher rheinischer Mundarten, vor allem des Kölnischen, liegt im Velberter Platt nicht vor. Über diese sogenannte zweigipflige oder zirkusflektierte Betonung der Vokale, die auch den südlichen bergischen Mundarten eigen ist, sind von Mauermann, Hafenclever, Leinener, Lobbes u. a. eingehende Untersuchungen angestellt worden, wobei Leinener das Wesen der zirkusflektierenden Betonung dahin angibt, daß der zirkusflektierte Vokal musikalisch einen Haupt- und Nebenton, expiratorisch einen Haupt- und Nebeniktus auf sich vereinigt. Er stellt dabei für das bergische Gebiet eine Abstufung fest in der Reihenfolge Wermelskirchen, Remscheid, Elberfeld und Barmen, welch letzteres schon eingipflige Betonung aufweise. Das stimmt auch mit der Feststellung Lobbes überein, daß die unmittelbar westlich der Ürdinger Linie, also nahe der westfälischen Grenze, gelegenen Gebiete, wozu Velbert gehört, keine zirkumflektierte Betonung haben. —   Bredtmann, Hermann in: „Die Velberter Mundart“, Kapitel „Betonung“, S. 19.

Velberdersch weist aufgrund seiner Grenzlage zwischen den Dialekträumen sowohl westmitteldeutsche (ripuarische) wie auch westniederdeutsche (westfälische) Spracheigenschaften auf, die es sowohl der einen als auch der anderen Sprachgruppe zuordnen lassen.

Das Velberter Sprachgebiet wird zudem noch von drei Sprachlinien geprägt, von denen zwei es definitiv einer Sprachgruppe eingruppieren können: Die Benrather Linie stellt laut Frings die wesentliche Sprachlinie zwischen Nieder- und Mitteldeutsch dar und definiert sich über das Wort machen, das hdt. <machen> geschrieben wird. Nördlich von ihr herrscht die Form /make(n)/, südlich die Form /mache(n)/ vor.

Die erst im 15./16. Jahrhundert ausgebildete Uerdinger Linie weist Velberdersch aufgrund des Vorkommens /-ch/ im Auslaut der Personalpronomina ech, mech, dech usw. dem mitteldeutschen Bereich zu, da nördlich und östlich der Stadt die Form ek vorherrscht. Und wie nachfolgenden, von Bredtmann in seinem Buch Die Velberter Mundart (Kapitel B. „Die drei Sprachlinien“, S. 23) entnommenen, Sprachbeispiele zeigen ferner auf, dass Velberdersch einen Einheitsplural besitzt, was durch seine Lage westlich der Westfälischen Linie bedingt ist:

Hochdeutsch Bergisch (Velbert) Westfälisch
wir kochen wir koken wi kuoket
ihr kocht jöt koken jit kuoket
sie kochen si koken se kuoket

Wichtigste Kennzeichen

Erscheinungen der 2. Lautverschiebung

Obgleich sich Velberdersch zum niederdeutschen Sprachgebiet rechnet, was durch Reliktwörter wie /maken/ machen, /dat/ das/dass, /döt/ dies/dieses, /jöt/ ihr und /önk/ euch sowie /he/ er begründet wird, stellen Germanisten fest, dass es überwiegend Sprachmerkmale des Ripuarischen, und damit des Westmitteldeutschen, aufweist. Die nachfolgenden Sprachbeispiele sind wiederum Breitmanns Buch Die Velberter Mundart (Kapitel C. „Die wichtigsten sprachlichen Eigentümlichkeiten der Velberter Mundart“, S. 25/27) entnommen:

  • k → ch

/k/ ist im Velberdersch in den meisten Fällen unverschoben geblieben und so lauten den auch Begriffe wie machen, brechen, Sachen, Knochen oder Milch wie im übrigen niederdeutschen Gebiet maken, breken, Saken, Knoken und Melk. /k/ wird allerdings zu /ch/ im Akkusativ und Dativ und in den Personalpronomina ich, mich, dich und sich. Ferner in der Endsilbe -lich, die auf hochdeutschen Einfluss zurückzuführen ist und anstelle der niederdeutschen Endung -lik tritt. Aber auch in den Wörtern ouch, Geroch, Teïchenstont und Köch (neben älterem Köke), die für die Begriffe auch, Zeichenstunde und Küche stehen, ist hochdeutscher Einfluss erkennbar.

  • t → z oder s

Im An- und Inlaut ist /t/ fast durchweg im Velberdersch erhalten: Tieët, treken, Tangt, eten, twasch oder setten für die hochdeutschen Wörter Zeit, ziehen, Zahn, essen, zwischen und sitzen. Darüber ist es auch im Auslaut erhalten geblieben, was sich in Wendungen wie he süpt, he krüpt, he makt usw. widerspiegelt und die er säuft, er kriecht und er macht bedeuten. Ferner ist es auch beim Imperativ 2. Person Plural erhalten und aus diesem Grund lauten die Wörter gebt, lebt, geht und steht weiterhin gewent, lewent, gont und stont.

/t/ wird jedoch zu /s/ oder /z/ in den Zahlwörtern von 40 bis 90 und so enden diese auf -zich anstelle des zu erwartenden -tig. Auch wird /t/ im Anlaut zur /z/ und spiegelt sich in den Wörtern wie Zemmer, zemmern (neben älterem temmern), Zoch und zeïgen (Zimmer, zimmern, Zug, zeigen).

  • p →f

/p/ ist im Anlaut erhalten geblieben und wechselt aufgrund hochdeutschen Einflusses im In- und Auslaut zu /f/. So lauteten die Wörter zustopfen, Begriff und Wirtschaft im Dialekt pröfen, Begref und Wiatschaft.

  • s →z

/z/ kommt nur im Anlaut vor und wurde vom Ripuarischen übernommen. So kommt es in den Zahlwörtern zes, ziewen, zessich, ziewenzich (sechs, sieben, sechzig, siebzig) und Alltagswörtern wie Zop, Zopenmez, Zenterkloos und Zükeleï bzw. zükeln (Suppe, Küchenmesser, St. Nikolaus, siechen/kränkeln ndl.: [ziek zijn]) vor und wird dann nur noch ausschließlich in Fremdwörtern wie Zaus, Zijet und Zafron (Sauce, Sayett, Saffran)

Nasalisierung, Gutturalisierung

Darüber hinaus erfolgt auch im Velberdersch die Nasalisierung bzw. Gutturalisierung von -nd und -nt zu -ng und -ngt. Dies ist ein Kennzeichen bergischer Dialekte, die jedoch auch von den ostbergischen und teilweise märkischen Dialekten der angrenzenden Regionen geteilt wird.

Aber im Velberdersch findet eine Abstoßung (Apokope) des /e/ am Ende der Wörter statt; vor allem nach den Konsonanten /t/, /p/ und /k/, die im Schriftdeutschen generell und in anderen bergischen Dialekten vielfach erhalten bleiben.[3]

Diminutivbildung

Es ist darüber hinaus auffallend, dass Velberdersch mehrere Arten der Diminutivbildung, d. h., Verkleinerungsformen besitzt. So exitieren dort die Formen -ken, -sken, -skens, -schen, und -sches.

  • -ken

Die Endung -ken kommt vor in Wörtern wie Blömken (Blümchen), Äppelken (Äpfelchen), Hipken (Ziegchen) oder Fensterken (Fensterchen).

  • -sken

Die Endung -sken folgt in der Regel einem voraufgehenden /k/ und spiegelt sich in den Wörtern Döksken (Tüchlein), Böksken (Büchlein), Püksken (Ferkelchen) wider.

  • -skens

Die Endung -skens stellt die Pluralform der beiden oben genannten Endungen dar. Dementsprechend lautet der Plural der dort aufgeführten Wörter Blömkes, Äppelkes, Hipkes, Fensterkes, Dökskes, Bökskes und Püskes.

  • -schen

Die Endung -schen folgt normalerweise auch voraufgehendem /l/, /n/ und /t/. Vüegelschen (Vögelchen), Fäulschen (Fältchen), Känschen (Kännchen) oder Strötschen (Sträßchen)

  • -sches

Die Endung -sches stellt die Pluralform der eins oben genannten Endung dar, sodass dementsprechend die dort aufgeführten Beispiele wie folgt lauten: Vüegelsches, Fälsches, Känsches und Strötsches.

Neuere Erkenntnisse

Indes Germanisten und Sprachforscher die sprachlichen Besonderheiten des Velberdersch noch als Folge der II. Lautverschiebung ansahen, aufgrund dessen es wegen seiner geografischen Lage nördlich der Benrather Linie zum Westniederdeutschen gestellt wurde, merkte Lobbes bereits frühzeitig an, dass das (Nieder-)Bergische (und damit Velberdersch) aufgrund seines Übergangscharakters mehr zum ripuarisch-mitteldeutschen Sprachraum gehöre.[4]

Germanisten der jüngeren Geschichte, wie beispielsweise Goossens (geb. 1930), negieren inzwischen die These, dass das Vorkommen von /ch/ im Auslaut eine unmittelbare Folge der Lautverschiebung sei. Vielmehr vertritt Goossens die Theorie, dass sich der kölnische Einfluss nördlich der Benrather Linie, sprich im nordöstlichen Rheinland und den südöstlichen Niederlanden, nur sehr unterschiedlich durchgesetzt habe.

Er weist zudem in seinem Sprachatlas des nordöstlichen Rheinlands und des südöstlichen Niederlands – „Fränkischer Sprachatlas“ nach, dass bereits in den mittelalterlichen Urkundensprachen in Moers und Krefeld die Kombination <ich> und <maken> vorkam, obgleich diese bis heute im ik-Gebiet liegen.

Dabei bezieht sich Goossens auf das gesamt südniederfränkische Sprachgebiet, zu dem auch Velberdersch gehört. Ihm zufolge war die Übernahme des /ch/ im Auslaut das Ergebnis einer engen Verkehrsgemeinschaft mit Orten des ripuarischen Sprachgebietes, da das gesamte Niederfränkische keinerlei k-Pronomina besessen habe und die verschobenen Formen vom benachbarten Mittelfränkischen übernommen wurden.[5]

Literatur

  • Schulte, Eduard: Fieles on Hamerschlag – Alt-Velberter Geschichten, Verlag Leseverein Velbert e. V., 1925, neu herausgegeben von Schulte Schlagbaum AG und Buchhandlung Löhr, 1983.
  • Bredtmann, Hermann: Die Velberter Mundart. Ein kurzer Abriß der Laut- und Formenlehre nebst einem Wörterverzeichnis. Wuppertal-Elberfeld, 1938.
  • Kopshoff, Friedhelm: döt on dat – van allem wat op Platt ut Alt-Velbert, Langenberg, Neviges, Heiligenhaus und Wülfrath, Scala Verlag Velbert, 2013.

Weblinks

Fußnoten

  1. www.rheinfranken.de:Verzeichnis der verstorbenen Mitglieder der Marburger Burschenschaft Rheinfranken, abgerufen am: 16. April 2002.
  2. Bredtmann, Hermann: Die Velberter Mundart, Anhang „Sprachkarte“.
  3. Bredtmann, Hermann: Die Velberter Mundart, S. 27.
  4. Lobbes, Otto: Nordbergische Dialektgeographie, Zeitschrift für Deutsche Dialektgeographie, Heft VIII.
  5. Goossens, Jan: Sprachatlas des nordöstlichen Rheinlands und des südöstlichen Rheinlands – „Fränkischer Sprachatlas“, Bd. 2, S. 15/18.
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